Archiv der Kategorie: Umweltschutz

How to feed the world?

„How to feed the world ?“ ist ein künstlerisch und inhaltich gelungenes Animationvideo über die Lage der Welternährung. Es zeigt nicht nur einfach und verständlich Ursachen vieler Probleme ohne dabei wesentliche  Aspekte des komplexen Sachverhalts außer Acht, sondern es spricht auch verschiedene Lösungsstrategien an:

Ein wesentlicher Lösungspunkt ist die Reduzierung des westlichen Fleischkonsums. Hier kann der deutsche Konsument selbst und direkt etwas verändern. Dies ist eine Forderung, die mir am Herzen liegt:

Der westliche Fleischkonsum kann nicht auf die ganze Welt ausgeweitet werden. Dafür ist die Fleischproduktion zu klimaschädlich und Ressourcen sowie Flächen verbrauchend.
Politur (McDonald’s isst die Welt)

Interessant ist auch der Hinweis, dass dauerhaft nicht eine intensivere Nahrungsmittelproduktion das Problem lösen kann, sondern dass wir eine geschlossene Kreislauf in der Landwirtschaft und der Nutzung der landwirtschaftlichen Produkte haben. Unsere Baumwoll- und Bekleidungsindustrie ist zum Beispiel kein geschlossener Kreislauf. Baumwollkleidung kann aufgrund der Chemikalien nicht einfach kompostiert werden und somit der Natur zurück gegeben werden. Sie ist Abfall. Dass es auch anders geht, hat Trigema zusammen mit dem Cradle-to-Cradle-Begründer Michael Braungart gezeigt und ein kompostierbares T-Shirt entwickelt.

Nachtrag: Spiel die Welt zu Grunde (2)

Letztens erklärte ich, warum ich gegen ein Boykott von BP oder den Aral-Tankstellen bin. Einer de Gründe war:

Wer eine Tankstelle weiterfährt, tankt Benzin von Exxon, Shell oder einem anderen Ölkonzern. Diese sind weder besser noch schlechter als BP.

Ich schrieb auch:

Die Erdölgewinnung war schon immer ein Gewinn bringendes, dreckiges und hart umkämpftes Geschäft.

Beides wird einem durch einen Bericht des Auslandsjournal über die Ölkatastrophe in Nigerdelta von Nigeria  verdeutlicht, die laut dem Bericht hauptsächlich Shell verursachte und weiter verursacht. Die Ausmaße dieser Ölpest wird öffentlich weit weniger wahrgenommen als die Ölpest im Golf von Mexiko. Ein Nigerianer aus dem Bericht bringt es auf den Punkt:

„Das Geld, das sie (Anm.: die Ölkonzerne)  im Geld von Mexiko bezahlen werden, haben sie hier bei uns (Anm.: in Nigeria) verdient.“

Deutschland konsumiert sinnlos Wasser

Das Team von „The Story of Stuff Project“ hat ein sehr schönes Video zum Thema „Bottled Water“ erstellt (via Dark Optimism). Es zeigt sehr schön die Sinnlosigkeit von Trinkwasser aus Flaschen:

Wir Deutschen sind, was den Konsum von Wasserflaschen angeht, alles andere als Saubermänner oder -frauen.  Im Verbrauch liegen vor uns neben Belgien (+ Luxemburg) nur die südlichen Länder Mexico, wo das Leitungswasser berechtigt einen sehr schlechten Ruf hat, Italien und die Vereinigten Arabischen Emirate:

2008 Gallons Consumed Per Capita Per Year

1 Mexico 59.1
2 Italy 54.0
3 United Arab Emirates  39.7
4 Belgium-Luxembourg 39.0
5 Germany 34.8
6 France 34.6
7 Spain 31.9
8 Lebanon 30.5
9 Hungary 29.2
10 United States 28.5

(Quelle: IBWA)

Beiden Fakten sind mir schon lange bewusst. Trotzdem kaufe ich immer wieder Wasserflaschen aus Plastik, weil es so bequem ist, aber mit schlechtem Gewissen. Ist dieser Blogbeitrag nicht ein guter Anlass mein Konsumverhalten dauerhaft zu ändern?

Nachtrag: McDonald’s isst die Welt

Molleindustria sind mit dem McDonald’s Video Game nicht die einzigen, die mit ihrem Spiel die globalen Zusammenhänge einer McDonald’s-artigen Industrie aufzeigen. Das Video „Causes“ von Studio JOHO schlägt vom Humor, der Darstellung und der Analyse in dieselbe Kerbe. Sie geben McDonald’s sogar die Schuld am Weltuntergang.

McDonald’s isst die Welt

Die Einleitung von McDonald’s Video Game lautet:

In einem Unternehmen wie McDonald’s Geld zu verdienen ist gar nicht so einfach! Hinter jedem Sandwich stehen komplexe Prozesse, die Du in den Griff bekommen musst: von der Schaffung von Weiden bis zum Schlachten, vom Restaurant Management bis zur Vermarktung. Du wirst all die schmutzigen Geheimnisse kennenlernen, die uns zu einem der größten Konzerne der Welt gemacht haben.

Wem bisher noch nicht klar ist, dass es sich bei dem Browsergame um eine digitale Parodie handelt, wird darauf nur durch einen kurzen Disclaimer am Anfang des Spiels aufmerksam gemacht. Die restliche Wirtschaftssimulation über McDonald’s ist plausibel. Aus angebauten Soja und gezüchteten Kühe werden zunächst Burger und schließlich mit Marketing beim Verkauf an den Kunden Geld. Natürlich kann man Regenwald roden, Industrieabfälle verfüttern, unliebsame Mitarbeiter feuern, Gesundheits- und Umweltexperten bestechen und Productplacement betreiben. Doch bei dieser ganzen Freiheit ist das Spiel nicht so einfach. Die kritische Öffenlichkeit und das profitgierige Management liegen einem im Nacken.


Auch wenn diese Darstellung von McDonald’s überspitzt ist, so sind die Kernaussagen dennoch richtig und gelten bei weitem nicht nur für Fastfood. Die Landwirtschaft ist einer der größten Umweltverschmutzter und befördert massiv den Klimawandel. Es gibt eine Ausbeutung von einfachen Mitarbeitern im Servicebereich. Die Nahrungsmittelherstellung ist ein automatisierter Industriesektor.

Lösungen bietet das Spiel nicht an. Die Beantwortung dieser Fragen ist auch nicht einfach, denn manche Lösungen sind gegensätzlich. Eine umweltverträglichere Lebensmittelproduktion hat in der Regel einen höheren Flächenverbrauch zur Folge. Noch immer hungeren viele Menschen, die mehr konsumieren möchten. Eines ist aber sicher. Der westliche Fleischkonsum kann nicht auf die ganze Welt ausgeweitet werden. Dafür ist die Fleischproduktion zu klimaschädlich und Ressourcen sowie Flächen verbrauchend.

Nachtrag: Spiel die Welt zu Grunde

Zum gestrigen Beitrag über die Ölindustrie und die Umweltkatastrophe gibt es noch mehr zu sagen:

Ich halte wenig von den Boykottaufrufen gegen Aral als BP-Tochter. Das hat mehrere Gründen:

  1. Konsumboykotts sind meist nur von kurzer Dauer und haben langfristig keinen Einfluss auf den Umsatz des boykottierten Unternehmens.
  2. Wer eine Tankstelle weiterfährt, tankt Benzin von Exxon, Shell oder einem anderen Ölkonzern. Diese sind weder besser noch schlechter als BP.
  3. Unfälle wie der im Golf von Mexiko sind singuläre, statistische Ereignisse. Sie sagen nichts darüber aus, ob BP besser oder schlechter als andere Ölkonzerne gehandelt hat.
  4. Ein Boykott erleichtert nur das persönliche Gewissen, wenn man seinen SUV volltankt.
  5. Ein Boykott lenkt von dem wahren Problem hab: der Abhängigkeit vom Öl.

Spiel die Welt zu Grunde

Ich verfolge den Verlauf der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko nur sporadisch und oberflächlich, obwohl man täglich mit Neuigkeiten auf dem Laufenden gehalten wird. Die meist kurzen Artikel befriedigen mit ihren Berichten über ölverschmierte Vögel, kleine kommunale Strände, dem erneuten Scheitern der Ingenieure und Wissenschaftler sowie der immer wiede enttäuschten Hoffungen auf Rettung nur die Lust an der Katastrophe. Sie sind der Blick auf den Autounfall, bei dem man wegsehen möchte, es aber einfach nicht kann.

Aus diesen diffusen Berichten schürt sich ein ebenso diffuser Hass auf BP im speziellen und die Ölindustrie im allgemeinen. Man liest leider nur wenige Artikel, die auf die Hintergründe und Zusammenhänge eingehen. Einen guten hat gestern SZ Online „Wir alle sind BP“, der das Dilemma auf den Punkt bringt:

Zwischen Ölindustrie und Industriegesellschaft besteht eine gefährliche Kumpanei. Die sorgte dafür, dass bislang keine ausreichende Entwicklung von Alternativen für das Erdöl in Gang gesetzt wurde. Es ist auf lange Sicht kein Energieträger in Sicht, der die gewaltigen Ölmengen ersetzen könnte, die jeden Tag verbrannt werden.

Die Erdölgewinnung war schon immer ein Gewinn bringendes, dreckiges und hart umkämpftes Geschäft, wie Paul Thomas Anderson in seinem Film „There Will Be Blood“ zeigt. Mit der Geschichte über die Anfänge der Erdölindustire in den USA wurde der Film für etliche Preise nominiert, darunter 8 Oscarnominierungen, und erhielt er hervorragende Kritiken.

Geschichtlich knüpft La Molleindustria mit dem Browsergame ‚Oiligarchy‘ an diesen Film an, in dem man seinen Gewinn als Ölmulti von 1945 beginnend bis in die Zukunft hinein maximieren muss. Das Ölfördern, bei dem man Regenwälder rodet, Wale vertreibt und afrikanische Dörfer niederbrennt, ist Nebensache. Wichtiger ist es sowohl die Öffentlichkeit als auch den amerikansichen Präsdenten hinter sich zu haben, den man mit Wahlspenden gefügig macht, damit er in Südamerika demokratische Strukturen verhindert und einem Zugang zu irakischen Öl gewährt. Ziel bei diesem Spiel ist es ausnahmsweise nicht die Welt zu retten sondern zu Grunde zu richten.

Wer jetzt reflexartig denkt, dass zum Beispiel die Photovoltaik und Elektroautos unsere Welt retten werden, dem rate ich, sich über die Gewinnung von Silber, Kupfer und Lithium zu informieren.