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Wie politisch ist das Theater wirklich?

„Wird das Theater wieder politisch?“ wurde der Theaterkritiker Gerhard Jörder im SWR2 Forum vom 6. Mai 2010 gefragt.

„Ja“, antwortete er. „Der Finanzcrash hat sich in den Spielplänen der Saison niedergeschlagen.[…]  Unbestreitbar, die Krise ist auf dem Spielplan gelandet.“

„Nein“, sagt er aber auch. „Ich frage mich, wann habe ich mich in dieser Spielzeit – nicht im Kino, denn da passiert es mir immer wieder – als politischer Mensch wirklich angesprochen gefüllt. […] In den meisten Fällen ist mir etwas ganz anderes aufgefallen. Es ist verdammt leicht mit einem bisschen antikapitalistischem Trebolo von der Bühne auf dem deutschen Theaterparkett Gesinnungsbeifall zu bekommen. […] Da ist für mich mehr Krisenwollust drin als die Lust an der politischen Auseinandersetzung.“

Auch das Theater Aalen hat Brechts  Stück „Die heilige Johanna der Schlächthöfe“ ins Programm aufgenommen, welches zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise spielt. Auch wenn es mir erging wie Gerhard Jörger, ist es eine sehr gute Inszinierung, deren Besuch ich wärmstens empfehlen kann.

Mit seinen Worten trifft der Kritiker zwei grundsätzliche Aussagen über das Theater:

  1. Das Theater trägt nicht zur politischen Auseinandersetzung bei, sondern es ergötzt sich nur an der Krise.
  2. Das Theater ist nicht nur in seiner Breitenwirkung sondern auch in seiner inhaltlichen Tiefe hinter das Kino zurückgefallen.

Beides ist eine Katastrophe für eine sich als elitär empfindende Kulturinstanz wie das Theater.

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