Archiv der Kategorie: Rassismus

US-mexikanische Migrationskooperation

Die USA diskutiert zurzeit nicht nur die Ölbohrungen im Golf von Mexiko sondern auch den Arizona Senate Bill 1070, der die Gesetzeslage gegenüber illegalen Einwanderen deutlich verschärft.

Hollywood greift seit Jahren das Thema der Immigration auf, insbesondere auch die Lage an der Grenze zu Mexiko wie in der Großproduktion Babel. In kleineren Zusammenabeit mit Mexiko enstanden mehrere spanischsprachige Film. Bemerkenswert sind die beiden Filme von der Produktionsfirma Creando Films, die viele Details der Migration zeigen: La Misma Luna und Sin Nombre. Letzterer von beiden ist packender und schonungsloser. La Misma Luna hingegen beleuchtet mit Charme mehr die Beweggründe und Dilemmas der Migration von Mexiko in die USA:

Anbetracht von Prognosen über immer größer werdende Migrationsströme an den Südgrenzen Europas frage ich mich, wo die großen, europäischen Filmbeiträge zum Thema Migration bleiben?

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Bierseeliger Rassismus

Ich habe heute meine erste Beschwerde an den Werberat gerichtet, wegen des Verstoßes eines Werbespots gegen Ethik und Moral:

Der aktuelle Werbespot „Hellas“ von Paulaner ist meines Erachtens latent rasstisch und verstößt gegen Ethik und Moral, indem er einen aktuellen „Volkszorn“ für Werbezwecke missbraucht. Es wird an eine mit Ressentiments gegenüber Griechen und Griechenland beladene Medienkampagne angeknüpft, um auf perfide Art eine aktuelle, rassistische Stimmung in der Bevölkerung für Werbezwecke zu nutzen. Darüber hinaus werden die in Deutschland lebenden Griechen und Deutschen mit griechischer Herkunft in diesem TV-Spot für die Verhältnisse in Griechenland verantwortlich gemacht.

Ich habe nichts gegen Späße unter Freunden. Hier versteht, jeder wie es gemeint ist. Der Werbespot wird aber mit Sicherheit bei vielen Menschen ein „Ja, recht so. Jeder Grieche soll jetzt blechen.“ auslösen. Paulaner will diesen Werbespot mit Sicherheit nicht so verstanden haben. Aber er ist sehr uneindeutig. Das von solchen Reaktionen auszugehen ist, zeigt ein Sketch von Didi Hallervorden, der dabei als Nazi missverstanden wird.

Ich kann die Empörung der Bevölkerung sehr gut verstehen, wenn man befürchten muss, dass Griechenland für uns ein Milliardengrab werden wird. Wenn man die Schuld aber pauschal „den Griechen“ zuweist, greift man zu kurz. Viele fühlen sich von den Griechen über den Tisch gezogen, aber dazu gehören immer zwei: einer, der zieht, und einer, der sich über den Tisch ziehen lässt. Deutschland und die anderen Euro-Länder kannten lange die Situation in Griechenland. Es ist leicht aber verantwortungslos eine Griechenhetze zu betreiben. Sie löst auch keine Probleme. Lasst uns als Europäer lieber in die Zukunft blicken!

Wer ist es hier und heute?

Zum Thema Toleranz schrieb ich letztens, mit welchem Kniff der Film Anderland arbeitet, um mangelnde Toleranz einer Gesellschaft am eigenen Leib spürbar zu machen.  Ähnlich verhält es sich mit dem neuen Video von M.I.A zur Single „Born Free“.

„Das Video beginnt mit Polizeigewalt und ist einigermaßen unangenehm anzuschauen, danach kommt ein Aha-Effekt und es wird klar: Es geht um Rassismus und staatliche Unterdrückung von Bevölkerungsgruppen.“
– René auf Nerdcore

Da dies keine üblich verfolgte Bevölkerungsgruppe ist, kann man sich leichter in die Opferrolle versetzen. Man könne ja selbst einer beliebig definierten Minderheit angehören, die verfolgt wird.

In einer Gesellschaft voller Intoleranz kann jede beliebige Gesellschaftsgruppe Opfer von Ausgrenzung sein und somit man selbst. Diese Botschaft des Videos hat Hans Peter Richters in dem Buch ‚Damals war es Friedrich‘ mit treffenden, warnenden Worten ausgedrückt:

Damals waren es die Juden… damals war es Friedrich…
Heute sind es dort die Schwarzen, hier die Studenten…
Morgen werden es vielleicht die Weißen, die Christen oder die Beamten sein…

Wer ist es hier und heute?

Ist Didi ein Nazi?

Dieter Hallervorden zeigte 1997 in seinem Satiresketch „Deutsch für Türken“ die Heuchlei der damaligen deutsche Integrationspolitik  auf. Schon in der Anmoderation macht er das klar:

„Unter häufig wechselnden Innenminstern war die deutsche Politik immer wieder bemüht, die hier zu Lande  lebenden Ausländer nach Kräften zu integrierien – beispielsweise durch großzügige Rückreiseprämien.“

Indem er bei dem Kurs „Deutsch für Türken“ die Teilnehmer mantraartig alle Versionen des Satzes ‚Die Türken packen dir Koffer.‘ nachsprechen lässt, prangert er an, wie heuchlerische und kontraproduktiv die Integrationspolitik Deutschlands bis in die 90er hinein war.

Doch nicht alle verstehen diese inszinierte Indoktrination, Deutschland zu verlassen, als Kritik Hallervordens an der Politik. Vielmehr verstehen manche die Satire nicht, sondern nur „Ausländer raus“-Parolen, wie der Blogbeitrag auf SOS – Österreich zeigt:

„Wir sind keine Rassisten. […] Ich möchte aufzeigen, was sich ein Herr Hallervorden noch 1997 im Fernsehen zu sagen traute – heute würde der Mann als Nazi abserviert und verfolgt werden.“
– bloggt derpatriot

„Hallervorden hat vor 13 Jahren bereits das Türken-Problem in seinem Land erkannt und eben – karikiert.“
– kommentiert Sumach

Hallervordens Kritik wird ins Gegenteil verdreht und ausgeblendet. Ist dies nicht ein wunderbares Beispiel für selektive Wahrnehmung?

Jüdischer Witz rockt

Obamas Sicherheitsberater James L. Jones erzählte letzte Woche als Einstieg in eine Rede vor dem Washingtoner Institut für Nahost-Politik ein Witz, in dem ein durstiger Taliban auf einen jüdischen Händler trifft. Zum Nachlesen ist der Witz bei Zettels Raum.

Jones entschuldigte sich nun für diesen Witz. War dies zwingend notwendig? Keine einfache Antwort! Zwei Fragen muss man dazu klären!

  1. War dies ein Judenwitz oder war es ein jüdischer Witz?
    Judenwitze greifen Vorurteile gegenüber Juden auf und der Witz besteht darin, dass die Vorurteile bestätigen werden. Jüdische Witze werde von Juden erzählt und können sehr wohl auch mit den jüdischen Vorurteilen spielen. Einige kommentieren den Witz bei Haaretz.com ähnlich wie dieser Kommentator:
    There is a major problem with the joke – it`s so old!
    – David Simonim
    Es ist ein alter jüdischer Witz!
  2. Darf ein Nicht-Jude einen jüdischen Witz erzählen?
    Es macht einen Unterschied, wer etwas sagt. Es verhält sich ähnlich wie mit dem N-Wort.  In der USA ist es das Schimpfwort für Afro-Amerikaner aus dem Mund eines Weißen. Aber unter Afro-Amerikanern laut Tracy Morgan aus 30 Rock „a term of endearment“ (Kosename). In Episode 8 der 1. Staffel von 30 Rock spielt das Skript grandios mit der Frage, wer was sagen darf. Ironischerweise klingt es dabei aus dem Mund eines innerlich „zu weißen“ Afro-Amerikaners „so hateful“!

Das Fazit ist klar: Der Witz ist nicht rassistisch oder antisemitisch. Aus dem Mund eines alten Haudegens wie James L. Jones ist es aber unangebracht. Das mag man gut oder schlecht finden, so funktioniert jedoch die öffentliche Wahrnehmung und die westliche Kultur.

30 Rock kann ich jedem nur empfehlen als Fan von Tina ‚die besssere Palin‘ Fey. Zurzeit auf ZDF Neo zu sehen mit einer verkümmerten und unverdienten Einschaltquote von 0,0.