Archiv der Kategorie: Finanzkrise

Bierseeliger Rassismus

Ich habe heute meine erste Beschwerde an den Werberat gerichtet, wegen des Verstoßes eines Werbespots gegen Ethik und Moral:

Der aktuelle Werbespot „Hellas“ von Paulaner ist meines Erachtens latent rasstisch und verstößt gegen Ethik und Moral, indem er einen aktuellen „Volkszorn“ für Werbezwecke missbraucht. Es wird an eine mit Ressentiments gegenüber Griechen und Griechenland beladene Medienkampagne angeknüpft, um auf perfide Art eine aktuelle, rassistische Stimmung in der Bevölkerung für Werbezwecke zu nutzen. Darüber hinaus werden die in Deutschland lebenden Griechen und Deutschen mit griechischer Herkunft in diesem TV-Spot für die Verhältnisse in Griechenland verantwortlich gemacht.

Ich habe nichts gegen Späße unter Freunden. Hier versteht, jeder wie es gemeint ist. Der Werbespot wird aber mit Sicherheit bei vielen Menschen ein „Ja, recht so. Jeder Grieche soll jetzt blechen.“ auslösen. Paulaner will diesen Werbespot mit Sicherheit nicht so verstanden haben. Aber er ist sehr uneindeutig. Das von solchen Reaktionen auszugehen ist, zeigt ein Sketch von Didi Hallervorden, der dabei als Nazi missverstanden wird.

Ich kann die Empörung der Bevölkerung sehr gut verstehen, wenn man befürchten muss, dass Griechenland für uns ein Milliardengrab werden wird. Wenn man die Schuld aber pauschal „den Griechen“ zuweist, greift man zu kurz. Viele fühlen sich von den Griechen über den Tisch gezogen, aber dazu gehören immer zwei: einer, der zieht, und einer, der sich über den Tisch ziehen lässt. Deutschland und die anderen Euro-Länder kannten lange die Situation in Griechenland. Es ist leicht aber verantwortungslos eine Griechenhetze zu betreiben. Sie löst auch keine Probleme. Lasst uns als Europäer lieber in die Zukunft blicken!

Wie politisch ist das Theater wirklich?

„Wird das Theater wieder politisch?“ wurde der Theaterkritiker Gerhard Jörder im SWR2 Forum vom 6. Mai 2010 gefragt.

„Ja“, antwortete er. „Der Finanzcrash hat sich in den Spielplänen der Saison niedergeschlagen.[…]  Unbestreitbar, die Krise ist auf dem Spielplan gelandet.“

„Nein“, sagt er aber auch. „Ich frage mich, wann habe ich mich in dieser Spielzeit – nicht im Kino, denn da passiert es mir immer wieder – als politischer Mensch wirklich angesprochen gefüllt. […] In den meisten Fällen ist mir etwas ganz anderes aufgefallen. Es ist verdammt leicht mit einem bisschen antikapitalistischem Trebolo von der Bühne auf dem deutschen Theaterparkett Gesinnungsbeifall zu bekommen. […] Da ist für mich mehr Krisenwollust drin als die Lust an der politischen Auseinandersetzung.“

Auch das Theater Aalen hat Brechts  Stück „Die heilige Johanna der Schlächthöfe“ ins Programm aufgenommen, welches zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise spielt. Auch wenn es mir erging wie Gerhard Jörger, ist es eine sehr gute Inszinierung, deren Besuch ich wärmstens empfehlen kann.

Mit seinen Worten trifft der Kritiker zwei grundsätzliche Aussagen über das Theater:

  1. Das Theater trägt nicht zur politischen Auseinandersetzung bei, sondern es ergötzt sich nur an der Krise.
  2. Das Theater ist nicht nur in seiner Breitenwirkung sondern auch in seiner inhaltlichen Tiefe hinter das Kino zurückgefallen.

Beides ist eine Katastrophe für eine sich als elitär empfindende Kulturinstanz wie das Theater.

Wolfgang Schäuble kritiersiert seinen Bruder

Aus aktuellem Anlass knüpfe ich an meinen letzten Blogbeitrag „Biergitte giert Ackermann nach“ an. Wolfgang Schäuble kritisierte in der FAS Ackermann:

„Ein Mann wie der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, den ich wegen seiner Fachkenntnis sehr schätze, findet eine Rendite von 25 Prozent angemessen. Das kann ein produzierendes Unternehmen nicht leisten. Daraus müssen wir schließen, dass der Finanzmarkt sich nur noch um sich selbst dreht, statt seine Aufgabe zu erfüllen und eine vernünftige, nachhaltig wachsende Wirtschaft zu finanzieren. Das müssen wir ändern.“

Mit den beiden letzten Sätzen mag Wolfgang Schäuble zwar recht haben, aber wie er zu dieser Aussage gelangt ist in zweierlei Hinsicht falsch:

  1. Ackermann hat nicht das Ziel einer „Rendite von 25%“ sondern das einer „Eigenkapitalrendite von 25%“ ausgegeben. Die Eigenkapitalrendite ist in der Regel viel höher als die Rendite.
  2. Eine Eigenkapitalrendite von über 25% hingegen ist bei industriellen Unternehmen nicht unüblich, wie die Deutsche Bank richtig anmerkt. Wolfgang Schäubles Bruder Thomas Schäuble hat dies vor kurzem bei der Badischen Staatsbrauerei Rothaus mit einer Eigenkapitalrendite von 28% gezeigt.

Anbetracht der extrem hohen Eigenkapitalquote der Brauerei von 83% erzielte die Brauerei sogar eine Rendite von über 23% und war damit der 25%-igen Rendite ziemlich nahe, die Wolfgang Schäuble Ackermann als Ziel fälschlicherweise zugeschrieben hat. Somit kritisiert Wolfgang Schäuble nicht nur Josef Ackermann sondern auch seinen Bruder Thomas Schäuble.

Es gibt gute Gründe gegen das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25% zu sein. Die Finanzwirtschaft deswegen zu diskreditieren, ist aber falsch.

The Greek Crisis! …explained?

Die Webserie ‘The Greek Crisis Explained’ aus Griechland erklärt zwar nicht viel, ist aber sehr gut gemacht. Ich bin gespannt, welche Erklärung die Griechen von Nomint haben. Zwei Episoden sind bereits veröffentlicht:

… ich lass‘ mich mal überraschen, wo die Serie hinführt.

Nachtrag (2. Juni 2010):

Die dritte (und letzte?) Episode ist veröffentlicht: