Archiv der Kategorie: Europa

Kulturelite = Kirchenelite ?

Das Verfahren Roman Polanskis wegen der Vergewaltung einer 13-jährigen im Jahr 1977 ist auch ohne das Einmischen von Politikern schon lange ein internationales Politikum. In der USA ist Roman Polanski gesucht und in Frankreich erwünscht, worauf die Dokumentation „Roman Polanski: Wanted and Desired“ schon im Titel hinweist.

Ich versteh schon seit langem nicht, wieso sich so viele Kulturschaffende und kunstaffine Menschen bei diesem Verfahren sich so zahlreich hinter Roman Polanski stellen. Mich erinnert dabei die Kulturelite erschreckend an die katholische Kirchenelite. Beide wehren sich massiv gegen die rechtliche Verfolgung eines verdienten Mitglieds aus den eigenen Reihen.

In beiden Fällen ist die öffentliche Meinung gegensätzlich zu der jeweiligen Elite. Während heute die katholische Kirche soviel an gesellschaftlichen Einfluss verloren hat, dass sie dem gesellschaftlichen Druck nachgeben muss und sich von ihren schwarzen Schafen distanziert, scheint das Ansehen der Kulturschaffenden so gefestigt zu sein, dass sie sich heute noch geschlossen hinter einen Vergewaltiger einer Minderjährigen stellen können. Besonders in der USA ist der Gegensatz zwischen öffentlicher Meinung und der der Hollywoodstars erheblich.

Erschreckend ist, dass beide Eliten sich der Gerichtbarkeit und dem Gesetz entziehen wollen. Auf die Kirche will ich nicht weiter eingehen.

  • Roman Polanski flüchtet vor dem Gerichtsverfahren in Kalifornien nach Europa.
  • Die Kritiker des Verfahrens wiedersetzen sich rechtsstaatlichen Grundsätzen. Ihr liebstes Argument gegen dieses Verfahrens ist, dass das Opfer die Einstellung des Verfahrens wünscht. Die Strafverfolgung ist jedoch aus gutem Grund in einem Rechtsstaat eine staatliche Aufgabe, ebenso die Entscheidung über die Strafverfolgung. Würde man die Entscheidung, ob ermittelt wird, dem Opfer überlassen, könnte das Opfer mit Geld ruhig gestellt, erpresst oder gar bedroht werden. Erst der Staat als Strafverfolger kann dem Opfer Rechtssicherheit gewähren.
    Das Opfer wünscht die Einstellung, weil es Ruhe wünscht. Nicht das Gerichtsverfahren hat ihr diese genommen, sondern die Medien und Roman Polanski. Diese können ihr diese auch wiedergeben.
  • Die über 30-jährige Flucht Roman Polanskis wird sogar massiv mit dem Zweifel an dem Rechtssystem der USA begründet. Die Regisseurin von „Roman Polanski: Wanted and Desired“ schuf diese Dokumentation aufgrund folgenden Satzes Anwalts des Opfers:

„The day Roman Polanski fled was a sad day for the judicial system.“
– Quelle: Interview mit Marina Zenovich

In der Tat scheint der damalige Richter falsch und nicht im Sinne des Opfers gehandelt zu haben. Dieser Richter ist jedoch lange tot. Rechtsskandale gibt es auch in einem Rechtsstaat. Dafür sieht dieser aber mehrer Instanten und ein transparentes Verfahren vor. Wer zum Rechtsstaat steht, der sollte sich auch einem Gericht stellen. Diese Gericht kann auch zugunsten Roman Polanskis entscheiden. Roman Polanski sollte sich seiner Verantwortung stellen.

Was trennt Afrika und Europa?

Letztens fragte ich mich:

Anbetracht von Prognosen über immer größer werdende Migrationsströme an den Südgrenzen Europas frage ich mich, wo die großen, europäischen Filmbeiträge zum Thema Migration bleiben?

Hier ist die Antwort: Der drei Jahre alte spanische Film“14 Kilometer – Auf der Suche nach dem Glück“ läuft zurzeit in Deutschen Kinos. Nur 14km trennen Afrika und Europa an der Meerenge von Gibraltar.

US-mexikanische Migrationskooperation

Die USA diskutiert zurzeit nicht nur die Ölbohrungen im Golf von Mexiko sondern auch den Arizona Senate Bill 1070, der die Gesetzeslage gegenüber illegalen Einwanderen deutlich verschärft.

Hollywood greift seit Jahren das Thema der Immigration auf, insbesondere auch die Lage an der Grenze zu Mexiko wie in der Großproduktion Babel. In kleineren Zusammenabeit mit Mexiko enstanden mehrere spanischsprachige Film. Bemerkenswert sind die beiden Filme von der Produktionsfirma Creando Films, die viele Details der Migration zeigen: La Misma Luna und Sin Nombre. Letzterer von beiden ist packender und schonungsloser. La Misma Luna hingegen beleuchtet mit Charme mehr die Beweggründe und Dilemmas der Migration von Mexiko in die USA:

Anbetracht von Prognosen über immer größer werdende Migrationsströme an den Südgrenzen Europas frage ich mich, wo die großen, europäischen Filmbeiträge zum Thema Migration bleiben?

Bierseeliger Rassismus

Ich habe heute meine erste Beschwerde an den Werberat gerichtet, wegen des Verstoßes eines Werbespots gegen Ethik und Moral:

Der aktuelle Werbespot „Hellas“ von Paulaner ist meines Erachtens latent rasstisch und verstößt gegen Ethik und Moral, indem er einen aktuellen „Volkszorn“ für Werbezwecke missbraucht. Es wird an eine mit Ressentiments gegenüber Griechen und Griechenland beladene Medienkampagne angeknüpft, um auf perfide Art eine aktuelle, rassistische Stimmung in der Bevölkerung für Werbezwecke zu nutzen. Darüber hinaus werden die in Deutschland lebenden Griechen und Deutschen mit griechischer Herkunft in diesem TV-Spot für die Verhältnisse in Griechenland verantwortlich gemacht.

Ich habe nichts gegen Späße unter Freunden. Hier versteht, jeder wie es gemeint ist. Der Werbespot wird aber mit Sicherheit bei vielen Menschen ein „Ja, recht so. Jeder Grieche soll jetzt blechen.“ auslösen. Paulaner will diesen Werbespot mit Sicherheit nicht so verstanden haben. Aber er ist sehr uneindeutig. Das von solchen Reaktionen auszugehen ist, zeigt ein Sketch von Didi Hallervorden, der dabei als Nazi missverstanden wird.

Ich kann die Empörung der Bevölkerung sehr gut verstehen, wenn man befürchten muss, dass Griechenland für uns ein Milliardengrab werden wird. Wenn man die Schuld aber pauschal „den Griechen“ zuweist, greift man zu kurz. Viele fühlen sich von den Griechen über den Tisch gezogen, aber dazu gehören immer zwei: einer, der zieht, und einer, der sich über den Tisch ziehen lässt. Deutschland und die anderen Euro-Länder kannten lange die Situation in Griechenland. Es ist leicht aber verantwortungslos eine Griechenhetze zu betreiben. Sie löst auch keine Probleme. Lasst uns als Europäer lieber in die Zukunft blicken!

The Greek Crisis! …explained?

Die Webserie ‘The Greek Crisis Explained’ aus Griechland erklärt zwar nicht viel, ist aber sehr gut gemacht. Ich bin gespannt, welche Erklärung die Griechen von Nomint haben. Zwei Episoden sind bereits veröffentlicht:

… ich lass‘ mich mal überraschen, wo die Serie hinführt.

Nachtrag (2. Juni 2010):

Die dritte (und letzte?) Episode ist veröffentlicht: