2053 Explosionen in 8 Töne

Der japanische Künstler Isao Hashimoto macht die Geschichte der Atombomben auf interessante Weise erfahrbar. Während die Zeit von 1945 bis 1998 verstreicht, erklingt für jede Explosion ein Ton in unterschiedlicher Tonhöhe je nach Nation.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=jfpQNfcRE1o]

In den 40ern  und zu Beginn der 50er Jahre erklingt vereinzelt der Ton der Amerikaner. Ab dem Ende der 1950 und zu Beginn der 60er steigert sich der Sound in ein wildes Stakkato des Kalten Kriegs, das in den vielstimmiges, scheinbar geordnetes Konzert in den 70ern und 80ern übergeht. Bis es Anfang 1993 dann auf einmal Ruhe einkehrt, sporadisch machen nur China, Frankreich, Pakistan und Indien auf sich aufmerksam.

Mein Tipp: Das Video im Hintergrund laufen lassen und einfach weitersurfen. Man wird automatisch immer wieder zum Video zurückkehren, wenn sich der Sound verändert!

Sound der Freiheit

Nicht alleine das Titelthema des Amnesty Journal 01/2011 bietet Anlass, auf „das Magazin für die Menschenrechte“ von Amnesty International hinzuweisen. Es ist „Der Sound der Freiheit – Musik und Menschenrechte“.

Nach der lobenswerten Aktion zur Kennzeichnung zur individuellen Kennzeichnungspflicht für Polizisten im letzten Herbst, die ich kommentierte, gibt es nun einen ausführlichen Artikel über die Schulung von Polizisten in Menschenrechten und im Umgang mit Demonstranten zu lesen. Polizisten werden, wie folgt, zitiert:

Die Auszubildenden sollen am eigenen Leib erfahren, welche Auswirkungen ihr Handlen hat. Damit sie genau wissen, wo defintiv Schluss ist.

Menschenrechte sind doch unser Job.

Darüber hinaus wurde auf das Spiel Frontier aufgemerksam gemacht, welches das Vorbild für 1378(km) war, das bei uns zu einer Kontroverse wurde und ich ebenfalls ausführlich kommentierte.

Argumente statt Emotionen

Das Video, das ich für die JuLis Pforzheim/Enzkreis schnitt, ist online:

Motto der Pro-S21-Demonatration am 16. Oktober 2010 in Pforzheim war „Argumente statt Emotionen“.

Mitte letzten Jahres hat Stuttgart 21 mich wie viele andere auch stark bewegt. Nach der Schlichtung ist die emotional aufgeladene Stimmung im Sommer kaum noch zu verstehen. Auch ich bloggt zu Suttgart 21:

Computerspiele noch in der Steinzeit

Das in den Medien zum Skandal hoch geschriebene Spiel 1378(km) wird heute endlich der Öffentlichkeiten präsentiert. Der Student Jens Stober wollte es zum Tag der deutschen Einheit veröffentlicht, da man in seinem Spiel den Erschießungsbefehl an der innerdeutschen Grenze nachvollziehen kann. Die Staatliche Hochschule für Gestaltung  Karlsruhe entschied sich jedoch leider dem öffentlich Druck nachzugeben und die Veröffentlichung zu verschieben.

Wir brauchen aber dringend eine Debatte über die Kunstform Computerspiel, denn als diese ist es nicht anerkannt. Ich finde es schade, dass sich die Hochschule so entschied, obwohl ihr dieses Problem bekannt ist:

Wir sind eigentlich noch in der Steinzeit. Im allgemeinen Bewusstsein ist das Computerspiel noch immer ein Medium, das vor allem niedere Instinkte bedient. Aber dazu gibt es geschichtliche Vergleiche. Neue, innovative Medien brauchen einfach Zeit. Schauen Sie auf den Film, der diente zunächst vor allem den unteren Schichten als Unterhaltungsmedium. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis er eine in intellektuellen Kreisen anerkannte Kunstform geworden ist.
Michael Bielicky, Leiter des Fachbereichs Medienkunst an der HfG Karlsruhe

Auch eine Podiumsdiskussion zu dem Spiel scheint keinen Fortschritt zu bringen, wenn man sich die ignorante Haltung der Opferverbände anschaut:

Ich brauche ein Computerspiel, dessen Spielspaß darin besteht, unbewaffnete Zivilsten abzuknallen, nicht unbedingt zu spielen, um es zu kritisieren.
– Rainer Wagner von der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft

Rainer Wagner verschließt sich jeder Debatte, obwohl er offensichtlich nicht einmal weiß, wovon er redet:

Man wird das Spiel nur gewinnen, ohne einen einzigen Schuss abzugeben.
Jens Stober, Entwickler von 1378(km)

Um über die Frage zu diskutieren, ob auch digitale Kunst frei ist, habe ich hier immer wieder auf  politische Spiele von hohem Wert hingewiesen:

Anmerkungen zu Rainer Wagner:
Ich kenne ihn nicht, aber laut Wikipedia ist es eine interessante Persönlickeit: Träger des Bundesverdienstkreuzes, strenggläubiger Pietist, Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, hält Juden und Atheisten für „Knechte Satans“.

How to feed the world?

„How to feed the world ?“ ist ein künstlerisch und inhaltich gelungenes Animationvideo über die Lage der Welternährung. Es zeigt nicht nur einfach und verständlich Ursachen vieler Probleme ohne dabei wesentliche  Aspekte des komplexen Sachverhalts außer Acht, sondern es spricht auch verschiedene Lösungsstrategien an:

Ein wesentlicher Lösungspunkt ist die Reduzierung des westlichen Fleischkonsums. Hier kann der deutsche Konsument selbst und direkt etwas verändern. Dies ist eine Forderung, die mir am Herzen liegt:

Der westliche Fleischkonsum kann nicht auf die ganze Welt ausgeweitet werden. Dafür ist die Fleischproduktion zu klimaschädlich und Ressourcen sowie Flächen verbrauchend.
Politur (McDonald’s isst die Welt)

Interessant ist auch der Hinweis, dass dauerhaft nicht eine intensivere Nahrungsmittelproduktion das Problem lösen kann, sondern dass wir eine geschlossene Kreislauf in der Landwirtschaft und der Nutzung der landwirtschaftlichen Produkte haben. Unsere Baumwoll- und Bekleidungsindustrie ist zum Beispiel kein geschlossener Kreislauf. Baumwollkleidung kann aufgrund der Chemikalien nicht einfach kompostiert werden und somit der Natur zurück gegeben werden. Sie ist Abfall. Dass es auch anders geht, hat Trigema zusammen mit dem Cradle-to-Cradle-Begründer Michael Braungart gezeigt und ein kompostierbares T-Shirt entwickelt.

Innehalten, Aufstehen und das Leben schaukeln

Diesmal ein nicht politisches Spiel, das ich wegen seiner Schönheit und simplen Lebensweisheit empfehlen will: But That Was [Yesterday]

Der Inhalt wird treffend beschrieben:

A personal journey about learning to move forward in life.

Zum Ziel kommt, wer innehält, aufsteht und das Leben schaukelt, nicht wer mit dem Kopf duch die Wand will.

Der Programmierer und Desginer des Spiels nennt sein Blog über seine Projekte zu recht ‚Art & Games‘, denn Spiele sind eine Kunstform, einen Status, den man immer wieder neu erkämpfen muss.

Ein T-Shirt zieht seine Kreise

Seit einigen Tagen geistert ein Pro S21-T-Shirt durch die Blogs, so auch auf  Doras Tagebuch und Feyd Braybrook’s Blog. Es zeigt neben der Silhouette einer knienden  Frau den Spruch „Tu‘ IHN unten rein! Stuttgart 21“.

Ich finde Spruch nicht besonders gut und die Verknüpfung von Sex und Stuttgart 21 als unnötig an. Inzwischen hat die Aufregung auch die etablierten Medien und die handfeste Politik erreicht. Ministerpräsident Mappus und Umweltministerien Gönner werden angerufen und müssen sich einschalten. Die Gewerkschaft und grüne Landtagsfraktion ist öffentlich empört und sogar die Polizei wird eingeschalten.

Ist der Spruch und die Werbung sexistisch oder frauendskriminierend? Die Grundsätze des Werberats helfen diese Frage zu beantworten, die eigentlich nur für kommerzielle Werbung gelten.

Grundsätze des Deutschen Werberats zur Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen

Fassung von 2004

In der kommerziellen Werbung dürfen Bilder und Texte nicht die Menschenwürde und das allgemeine Anstandsgefühl verletzen. Insbesondere darf Werbung – gerade gegenüber Kindern und Jugendlichen – nicht den Eindruck erwecken, dass bestimmte Personen minderwertig seien oder in Gesellschaft, Beruf und Familie willkürlich behandelt werden können.

Vor allem dürfen keine Aussagen oder Darstellungen verwendet werden,

  • die Personen wegen ihres Geschlechts, ihrer Abstammung, ihrer Rasse, ihrer Sprache, ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer politischen Anschauung, ihres Alters oder ihres Aussehens diskriminieren
  • die Gewalt oder die Verharmlosung von Gewalt gegenüber Personen enthalten
  • die den Eindruck erwecken, Personen seien käuflich zu erwerben
  • die den herrschenden allgemeinen Grundüberzeugungen widersprechen (zum Beispiel durch übertriebene Nacktheit)
  • die Personen auf ihre rein sexuelle Funktion reduzieren und/oder deren ständige sexuelle Verfügbarkeit nahelegen
  • die pornografischen Charakter besitzen.

Mit dem T-Shirt werden Frauen nicht diskriminiert, keine Gewalt dargestellt, nicht der Eindruck der Käuflichkeit von Frauen geweckt, keine allgemeinen Grundüberzeugungen verletzt oder die abgebildete Frau pornografisch dargestellt. Jedoch wird die kniende Frauen „auf ihre rein sexuelle Funktion reduziert“ und vielleicht auch „deren ständige sexuelle Verfügbarkeit nahegelegt“. Somit kann man den Werbespruch in Verbindung mit der Silhouette einer knienden Frau nach den Grundsätzen des Werberats als Diskriminierung von Frauen werten.

Weiter heißt es jedoch in den Grundsätzen:

Ob ein Verstoß gegen diese Grundsätze vorliegt, hängt insbesondere von folgenden Kriterien ab:

  • Eindruck des verständigen Durchschnittsverbrauchers
  • Charakter des Mediums
  • Art des beworbenen Produkts/der beworbenen Dienstleistung
  • aktuell herrschende Auffassung über Sitte, Anstand und Moral in der Gesellschaft
  • dargestellte gesellschaftliche Wirklichkeit wie beispielsweise in redaktionellen Teilen der Medien, Film oder Theater.

Zum einen ist der „aktuell herrschende Auffassung über Sitte, Anstand und Moral in der Gesellschaft“, dass eine Frau selbstbewusst einen Mann beim Sex auffordern kann, „ihn unten rein zu tun“.

Zum anderen muss man sich den „Charakter des Medium“ genauer anschauen. Das Medium ist nicht eine weiße Plakatwand, auf der der Spruch mit kniender Frau abgebildet ist.  Es ist auch nicht nur ein T-Shirt auf einem Kleiderbügel. Das T-Shirt ist für Frauen geschnitten. Das ganze Werbemedium ist eine Frau, die solch ein T-Shirt trägt.

Niemand würde auf die Idee kommen, die Trägerin aufgrund des T-Shirts auf auf ihre sexuelle Funktion zu reduzieren oder gar ihre ständige sexuelle Verfügbarkeit erwarten. Der ganze Spruch erhält durch das Tragen einen ironischen Unterton. Es erinnert an die „I wish these were brains!“-T-Shirts. Stellt man sich jedoch einen Mann vor, der dieses T-Shirt trägt, dann hinterlässt das T-Shirt einen chauvinistischen Eindruck.

Da das T-Shirt offensichtlich für Frauen ist, ist es im Sinn des Werberatsweder weder sexistisch noch Frauen diskriminierend. Ob das T-Shirt für oder gegen guten Gemschack spricht und ob es lustig ist, kann man vortrefflich streiten.

Wenn man sich anschaut, welche hoch politischen Kreise das T-Shirt gezogen hat und wie sehr auf einmal nach staatlicher Ordnung und der Polizei gerufen wird, dann wird eine „gegen-alles“-Haltung bei den Gegner von S21 offensichtlich. Auch der Wert Freiheit scheint keine hohe Bedeutung zu haben. Bedenklich finde ich, welche Reaktionen das T-Shirt provoziert:

Ich finde es wirklich sexistisch und demütigend. sollte mir ein Mann in diesem Shirt begegnen bekommt er ihn unten rein, meinen Fuss
Anja auf Doras Tagebuch

Anja findet das T-Shirt sexistisch und alles andere als lustig. Auf der anderen Seite findet sie aber Gewalt gegen Männer lustig oder gerechtfertigt.