Wie lange dauert es, bis Computerspiele als Kunstform anerkannt werden? Soweit sind wir auf jeden Fall noch nicht, wie die massive Kritik an dem Spiel 1378 (km) und seinem Entwickler Jens M. Stober zeigt.
Worum geht es bei 1378 (km)?
Der Spieler wird in “1378(km)” an unterschiedliche innerdeutsche Grenzabschnitte versetzt. Dabei ist es dem Spieler möglich in die Rolle des Grenzsoldaten der DDR oder die des Republikflüchtlings zu schlüpfen. In detailliert nachgebauten Szenarien an den jeweiligen Grenzabschnitten zwischen der Bundesrepublik Deutschlands und der Deutschen Demokratischen Republik, kann die dramatische Situation hautnah erlebt werden.
- www.1378km.de
Für bild.de ist es widerwärtig. Blogger hingegen finden es je nach Hintergrund “interessant”, überflüssig oder “geschnacklos”. SPON hat es auch gleich geschafft ein paar Zitate von ein paar Hinterbänklern zu ergattern, die über “makaber und skandalös” über “geschmacklos und dumm” bis “mutig und interessant” reichen. Mit Worten begnügt sich Hubertus Knabe, Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, nicht und hat bereits Anzeige erstattet.
Insbesondere Hubertus Knabe sollte sich einmal das Grundgesetz genauer anschauen:
Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.
- GG, Art. 5, Abs. 3
1378(km) ist nicht das einzige Spiel, das sich mit ernsten Themen beschäftigt und dafür kritisiert wird. Selbst das satirische McDonald’s Videogame, das ich hier vorstellte, stieß bei den Lesern des Blogs auf Unverständnis.
Wie kunstvoll mit dem Medium Computerspiel umgehen kann, zeigt der bereits von mir vorgestellte Machinima Reverse Propaganda Video:
Paolo Pedercini hatte … die unglaublich geniale Idee ein Computerspiel für Rekrutierungs- und Propagandazwecke zu benutzen, um ein „Reverse Propaganda Video“ zu erstellen. Er stellt der Fiktion des Rekrutierungsspiel die realen psychischen Folgen des Militärdienstes gegenüber. Was für eine grandiose Idee!
- ‘Reverse Propaganda Video’, Politur
Um weiter für die Bedeutung des Computerspiels als Kunstform zu werben, werde ich in den nächsten Tagen weitere hervorragende Beispiele für politische und kunstvolle Spiele hier diskutieren.

Im Prinzip hat Herr Stober ja recht, es ist interaktive Geschichte. Leider macht es aber die Tatsache, dass es begrenzt ist, dass man quasi nur Grenzsoldat oder Mauerflüchtling sein kann, wieder zu einem normalen Spiel. Es gibt ja immerhin noch Regeln, und Grenzen, die man nicht überschreiten kann, natürlich gibt es die Funktion, dass man, wenn man zu “schießwütig” war, ins Jahr 2000 in einen Gerichtssaal teleportiert wird. Dennoch sieht man nur 2 Seiten, und diese auch nicht individuell. Denn jeder Grenzsoldat war sicherlich anders. Man überträgt seine Vorurteile ja quasi auf den Grenzsoldaten. Ich bin sicher, die meisten werden sich für eben jenen als Charakter entscheiden und einfach drauf losballern. Somit wird es wieder zum Klischee. Das soll es aber nicht. Es soll Geschichte vermitteln, einen Auszug zumindest. Ob das gelingen wird, ist fraglich, aber lohnenswert. Ich bin sicher, dass durch dieses Beispiel, ein richtiger Schritt unternommen wurde. Somit unterteilen sich bald die Egoshooter unter sich. Die einen wollen Geschichte vermitteln, die anderen sind zur puren Unterhaltung. Virtuell “Dampf ablassen” tun ja viele.
Die Spiele entwickeln sich langsam weiter, sie nähern sich der Realität, ob das nun gut oder schlecht ist, kommt auf den Standpunkt drauf an.
Dass es noch weitere Beispiele für Spiele gibt, die als zu makaber eingeschätzt wurden, dürfte klar sein, ich bin gespannt, was da so alles kommen wird. Ich nehme an die allgemeine Zensur von Egoshootern und der berühmte KZ Manager werden dabei sein?
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1378 sollte man nicht einfach mit einem 0-8-15 Shouóter vergleichen. Scheinbar lag bei der Erarbeitung des Spiels nicht das Gameplay im Vordergrund, sondern das geschichtliche und künstlerische Konzept dahinter. Wer jetzt einen tollen Shooter spielen will, wird wahrscheinlich enttäuscht sein.
Das ist wie, wenn man in einen Arthouse-Film geht und einen Jerry Bruckenheimer-Film erwartet. Letzter ist auf Unterhaltung getrimmt, ein Arthouse-Film eher auf Tiefgang, was eben nicht immer so leicht zu genießen.
Film ist nicht gleich Film und Spiel nicht gleich Spiel.
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